5 Konzerte in einer Woche – von Milow bis Hollywood Vampires

Dienstag, Juni 26, 2018 0 6

Reisen und Konzerte zu verbinden macht einfach immer wieder Spaß! Vor unserer Reise nach Mauritius haben wir noch eine kleine „Tour durch Deutschland“ gemacht und den Familienbesuch mit Konzerten verbunden. Doch zunächst ging es zu einem kleinen aber feinen Konzert direkt vor der Haustür.

Milow | 07.06.2018 | Hofmeister Sindelfingen

Milow ist für mich einer der wenigen Künstler, die kommerziell erfolgreich und gleichzeitig authentisch sind. Er schafft es mit seinen Songs einerseits im Mainstream mitzuschwimmen und im Radio gespielt zu werden und dennoch auf seinen Konzerten die Intimität eines kleinen Unplugged-Konzertes zu kreieren. An diesem Tag regnete es leider in Strömen und die Vorfreude auf das Open Air Konzert wurde etwas getrübt. Doch zum Glück legten sich die Regengüsse langsam und man konnte den Klängen von Milow und dessen Band lauschen.

Für mich ist das Besondere an dem Belgier ganz klar seine unverkennbare Stimme und sein Händchen für emotionales Songwriting ohne Kitsch. Seine sanfte Stimme und die Melodien fühlen sich irgendwie an wie eine Umarmung und verbreiten eine „heile Welt Stimmung“ im positiven Sinn. Ich glaube mir gefällt an Milow, dass ich ihn mir als Straßenmusiker oder in einer kleinen Bar mit wenig Publikum genauso gut vorstellen kann wie auf der großen Bühne. Mir gefällt auch seine positive, sympathische Art und die Interaktion mit dem Publikum – andere größere Stars spulen oft nur noch ihr Programm ab und vergessen dabei, dass ein Konzert ein gemeinsames Erlebnis mit der Band sein sollte – nicht nur das Betrachten einer Live-Show.

So werden selbst Aufforderungen wie „Sing for me Sindelfingen“ bei Milow zum Ohrwurm. Apropos: Ohrwürmer gibt es bei einem Milow-Konzert sowieso ohne Ende und dabei zeigen sich auch die Qualitäten, die ihn im Pop-Business erfolgreich machen. An diesem Abend hat er zum Beispiel auch einen neuen Song präsentiert. Am Anfang denkst du noch: „Ja, ganz nett“ und dann platziert er eben den eingängigen Refrain immer wieder aber gerade noch so, dass es nicht nervig ist und zwei Minuten später singst du mit und denkst „Geiler Song!“. So hat Milow auch bei meinem zweiten Konzert mit ca. 1,5 h Spielzeit auf ganzer Linie überzeugt – mit Singer/Songwriter-Charme, Persönlichkeit und Hits, die sich anfühlen wie ein Lagerfeuer-Konzert. Ein gelungener Auftakt!

Iron Maiden | 10.06.2018 | Expo Plaza Hannover

Als zweites standen Iron Maiden auf dem Programm – eine Band, die man Metal Fans nicht mehr vorstellen muss! Aber auch im Mainstream kennt man ihren Namen und wenn ist nicht zuletzt durch die fragwürdige Entwicklung ist, ihren Namen auf Bandshirts von H&M zu drucken. Aber das wäre einen anderen Artikel wert…

An diesem Abend jedoch konnte man sich sicher sein, echte Fans auf dem weitläufigen Messegelände zu sehen. Auch wenn es meinem Respekt gegenüber Musikern normalerweise widerspricht muss ich sagen, dass ich die Vorbands nicht erwähnenswert finde. Ich mag persönlich auch das Konzept nicht zwei Vorbands zu platzieren, sodass man ab Einlass bis Beginn drei Stunden warten muss, bis das eigentliche Konzert überhaupt losgeht. Oft passen die Bands musikalisch nicht mal, sondern sind vermeintlich nur vom Label platziert, um die große Zuschauermasse zu nutzen. Aber das ist nur meine persönliche Meinung.

@ironmaiden in Hannover! 🤘#ironmaiden #metal #rocknroll #loverockstour2018

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Doch nun zum Eigentlichen: Iron Maiden lieferten wie gewohnt vom ersten Song ab. Neben der Musik sind es bei dieser Band vor allem das Bühnenbild, die Show und die Outfits beziehungsweise das ganze Auftreten der Band, die mich immer wieder begeistern: Sie könnten genauso gut in den 1980ern oder 1990ern auftreten weil sie einfach einen Scheiß auf Trends geben und ihrem Stil treu geblieben sind. Und das heißt eben auch gigantische Animationen von Höllenfeuern, ein überlebensgroßer Eddie auf der Bühne, Lederkluft und wehende Mähnen. Allen voran natürlich Frontmann Bruce Dickinson, der nicht nur mit seiner gesanglichen Power, sondern auch mit seiner Fitness überzeugt. Seine Outfits mögen für manche auf den ersten Blick fragwürdig wirken, aber sie gehören zu Iron Maiden und zu ihm wie alles andere und vor allem: Sie funktionieren. Das hat den einfachen Grund, das Talent und musikalische Größe keine Frage von Trends oder Modegschmack sind. Und auch wenn er in knallenger Lederbuchse und wallendem Hemd mit Flügelärmeln genauso gut auf dem Cover eines Dreigroscheromans sein könnte, liefert er auf der Bühne seine mitreißende Show ab.

Herzstück von Iron Maiden sind ganz klar ihre bombastischen Hymnen, die unfassbar starken Melodien und dramatischen Texte, bei denen man sich immer wieder vor Inbrunst gegen den Brustkorb hämmern will – die Sagen von Schlachten und Kämpfen für die Freiheit werden lebendig – und das macht einfach Spaß und rockt! Mit 1,5 Std. Spielzeit war das Konzert knackig und hätte ruhig auch noch etwas länger gehen können, andererseits hat man nichts wirklich vermisst. Die großen Hits wurden gespielt, die Band zeigte ihre typische Interaktion „Scream for me Hannover“ und man konnte zufrieden nach Hause gehen.

Thank you @ironmaiden!🤘 #ironmaiden #metal #livemusic #concert #loverockstour2018

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Guns n‘ Roses | 12.06.2018 | Veltins Arena Gelsenkirchen

Viele Fragezeichen schwirrten in unserem Kopf vor dem Konzert von Guns n‘ Roses. Nach unserem ersten Konzert in Washington DC vor zwei Jahren waren wir einfach nur restlos begeistert – von der Energie, der Show und natürlich auch der ganzen Atmosphäre im Stadion. Ein zweites Konzert in Wien letztes Jahr konnte diesen Zauber leider ganz und gar nicht versprühen: Sichtbehinderte Plätze und relativ schlechter Sound hatten uns das Konzert gehörig verdorben. Auch vor diesem in Gelsenkirchen standen die Zeichen schlecht: Die Presse und Fans wie zum Beispiel Ornella von dem (von mir sehr geschätzten) Blog Comebackstage berichteten von schlechtem Sound in Berlin. So schlecht, dass einige Fans vorzeitig das Gelände verliesen. Bei Ticketpreisen um die 120 € und aufwärts ein absolutes No-Go. Wir gingen also mit gemischten Gefühlen in die Veltins Arena.

An dieser Stelle muss ich zunächst die Organisation loben. Für mich ist eines der größten Ärgernisse an großen Konzerten, dass oft Anreise, Einlass und Abreise länger als das Konzert dauern. In Gelsenkirchen war alles total entspannt, wir waren Ruckzuck im Stadion und konnten unsere Plätze auf den oberen Rängen einnehmen. Auch hier gab es zwei Vorbands, von der wir nur die zweite gesehen haben. Auch hier nicht wirklich erwähnenswert für mich und ich frage mich auch wie sinnhaft Vorbands bei solchen Konzerten überhaupt sind. Wirklich interessieren tun sie meistens keinen (so mein Eindruck) und viele kommen eh just in time.

Just in time begann auch das Konzert von Guns n‘ Roses und zum Glück war der Sound bei uns ok. Er war auch nicht herausragend, aber für die Gegebenheiten eines Stadions gut. Die Show der Band war energetisch und professionell – allerdings gab es so gut wie keine Interaktion untereinander geschweige denn mit dem Publikum. Hier haben große Bands wie zuletzt Metallica mit ihren eigens für jedes Land eingeübten Lieder eine Chance, echte Sympathiepunkte zu sammeln und das Konzert irgendwie besonders zu machen. Wahrscheinlich denken sich Guns n‘ Roses, sie haben das nicht nötig und das stimmt zum Großteil auch. Ihre Songs sind Hymnen der Rockgeschichte und haben nichts von ihrer Strahlkraft verloren. Axl Rose sieht für mich zwar aus wie die Karikatur eines Rockstars – Ein bisschen Trash, Bling Bling und 80er trifft 90er. Ich musste unweigerlich an Tom Cruise in Rock of Ages denken, aber irgendwie ist das auch schon wieder cool! Und das Wichtigste: Auch hier ist es wieder egal, wie viele zerrissene Stone Washed Jeans er trägt, wie viele glitzernde Kreuze um seinen Wohlstandsbauch baumeln und wie breit die „Blendamed-Dauerwerbesendung-Kauleiste“ made in Hollywood ist: Der Mann liefert einfach ab! So ist für uns der Plan aufgegangen und das Konzert war eine Wiedergutmachung der letzten Katastrophe in Wien!

Queen | 13.06.2018 | Lanxess Arena Köln

Spontan entschieden wir uns – da strategisch gut gelegen – noch das Konzert von Queen in Köln mitzunehmen. Die standen schon lange auf meiner Wishlist und daher freute ich mich umso mehr, die Gelegenheit zu haben Queen und Adam Lambert live zu sehen. Ich werde hier gar nicht erst anfangen, Vergleiche mit Freddie Mercury zu ziehen und jeder der das macht, hat meines Erachtens denn Sinn dieser Kombination nicht verstanden. So stellte auch Adam Lambert im Konzert klar: „…ich weiß, was einige von euch denken: ‚Pff, er ist kein Freddy!‘ und das ist wahr, denn es gibt nur einen Freddie. Also lasst ihn uns gemeinsam feiern“.

Und ja, das haben sie in der Tat. Wenn man Adam Lambert sieht – Casting-Star und outfit-technisch immer ein wenig over the top, wirkt er eher wie die Glamrock Version einer Plattenfirma, aber meine Güte kann der Typ singen! Oft musste ich beim Betrachten denken, in was für einer tollen Zeit wir leben: Da rocken drei Herren um die 70 mit einem 30-Jährigen, der in High Heels und Glitzerweste und mit Make-up à la Drag Queen auf die Bühne kommt. Es gab Zeiten, da wäre er dafür eingesperrt worden und ja leider gibt es bezüglich Toleranz immer noch Luft nach oben. Worauf ich hinaus will: Eine der größten Rockbands aller Zeiten hat diesem talentierten jungen Künstler eine Chance gegeben und ihre eigene Musik so auch einem neuen Publikum zugänglich gemacht. Und bevor jemand sagt, die machen es wegen des Geldes: Ich glaube, keiner von Queen hätte das nötig!

Betrachtet man es sachlich sind das alte Männer, die offensichtlich Spaß an der Musik haben. Oft musste ich den weißhaarigen Roger Taylor betrachten und denken:Würde ich den im Supermarkt sehen, wäre es nur ein stinknormaler „Opa“ für mich. Aber jetzt rockt er hier sein Drum-Solo in einer Riesen-Arena! Hervorheben muss ich auch die bombastische Lichtshow! So etwas habe ich wirklich noch nie gesehen – sehr ausgeklügelt und kreativ! Queen leben natürlich auch von ihren Hymnen und es ist einfach unvergleichbar, welche Energie freigesetzt wird, wenn „Bohemian Rhapsody“ oder „We will rock you“ angespielt werden. Einfach ein sensationell gutes Konzert, das für mich vor allem wegen der Brücke zwischen den Generationen funktioniert hat und in jeder Hinsicht ein Beweis, dass Talent und musikalische Größe kein Alter kennen!

Hollywood Vampires | 14.06.2018 | Sparkassen Park Mönchengladbach

Für viele sind die Hollywood Vampires nur „Die Band mit Johnny Depp“ und ja natürlich stehe auch ich auf ihn und wollte mir die Chance, ihn ein Mal live zu sehen nicht entgehen lassen. Zusammen mit Alice Cooper und Joe Perry sind sie also die „Untoten aus Hollywood“ – ein ziemlich passender Name – einserseits angesichts des doch hohen Alters zumindest zwei der Mitglieder und dann weil sie wie sich im Programm zeigte – eben auch diverse unsterbliche Ikonen mit Coversongs würdigen. Dass einem bei diesem Konzert im Publikum Doubles von Jack Sparrow über den Weg laufen, war zu erwarten und trotzdem irgendwie absurd. Dennoch muss man sich klar sein: Wäre Johnny Depp nicht in dieser Band, wäre die Location bestimmt eine ganz andere gewesen – und diese war dennoch nur halb gefüllt.

Zur Musik: Ich bin ehrlich, wir hatten nicht einen Song der Band vorab gehört und ließen uns überraschen. Wir hatten uns Golden Circle Tickets gegönnt und konnten so bereits als Vorband die genialen „The Darkness“ hautnah bewundern. Die erste würdige Vorband seit Langem! Die Band lieferte eine geniale Rockshow ab – waschecht mit schlechten Outfits, theatralischen Bühneneinlagen und genialen Songs!

Danach war es dann soweit und The Hollywood Vampires kamen auf die Bühne – Johnny Depp natürlich zuletzt und die östrogengetränkten Jubelschreie stiegen an. Man hatte auch das Gefühl, bei den weiblichen Besuchern wurden die Jacken aufgerissen, die Brüste nochmal hoch geschnallt und der Lippenstift nachgezogen. Und ja es ist schon cool, DEN Johnny Depp so nah vor sich zu sehen – im typischen „Shabby Chic“ mit Rockstar Attitüde. Vor allem hat er einfach eine besondere Aura, wirkt fast schon schüchtern und demütig auf der Bühne und irgendwie ganz in sein Gitarrenspiel vertieft. Für mich war das Konzert auf jeden Fall eine gute Unterhaltung, musikalisch und soundtechnisch hat für mein Laien-Ohr alles gepasst und wie nannte Alice Cooper die Hollywood Vampires selbst so schön: „Die teuerste Coverband der Welt“. Das kann man so stehen lassen!

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