„Rockmusic can save the world“ – Green Day in Lucca, Italien

Samstag, Juni 17, 2017 0 5

Green Day standen schon lange auf meiner Wunschliste und daher war es ein glücklicher Zufall, dass sie während unseres Toscana-Urlaubes beim örtlichen Stadt-Festival Lucca Summer in Lucca spielten. Ich habe mittlerweile schon so einige Konzerte auf dem Kerbholz und dieses sollte eines werden, das mir definitiv im Gedächtnis bleiben würde.

Heute Green Day und Rancid!🤘#lucca #luccasummer #openair

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Zunächst einmal brachten Rancid als Opening Act das Publikum schon mal ordentlich auf Temperatur, das alles bei perfekter Open Air-Atmosphäre und vor geiler Kulisse. Die tagsüber für mich fast unerträglich hohen Temperaturen waren inzwischen auch gesunken und als Green Day gegen 21 Uhr mit keinem geringeren Intro als „Hey ho let’s go“ von The Ramones ihren Auftritt ankündigten, hatte sich das (übrigens sehr junge) Publikum bereits kollektiv zuvor zu Bohemian Rhapsody in Ekstase gesungen. Nachdem auf der Bühne der bandeigene Plüsch-Hase die Menge weiter angefeuert hatte, war Lucca bereit für das was ich eigentlich nur das Musterbeispiel einer Punkrock-Show nennen kann.

So verliebt in diesen Moment: Wenn die Show losgeht und alle durchdrehen!🤘#luccasummer #greenday #openair #punkrock

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Jeder, der Konzerte besucht, kennt ihn: Diesen magischen Moment wenn die Show losgeht, alle sich in kollektiver Ekstase befinden und sich diese pure Lebensfreude entlädt. Die Band hat Bock, das Publikum sowieso und dann ertönen die ersten Riffs und plötzlich ist alles perfekt – Tausende Menschen freuen sich und baden in der Energie der Band. An dieser Stelle muss ich den perfekten, satten Sound vom ersten bis zum letzten Takt hervorheben und auch die Bühnenshow inklusive Pyrotechnik tat natürlich ihr übriges für den Tanz der Glückshormone – oder besser gesagt den Moshpit getan.

Doch all das verpufft wenn da nicht das Wesentliche wäre, das dieses Konzert für mich so unvergesslich macht: Die unfassbar lebendige Energie von Sänger Billie Joe Armstrong! Ernsthaft, nach dem 2,5-stündigen Konzert habe ich mich gefragt, wie ein Mensch physisch und emotional dazu in der Lage ist so ein Programm abzuliefern! Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass das nur mit zwei Worten zu erklären ist Authentizität und Leidenschaft. Sicherlich, beide Ausdrücke sind überstrapaziert und weiß man überhaupt was wirklich echt ist? Die Hollywood-Zähne á la Los Angeles hat Billie Joe nämlich auch, also vielleicht ist das alles nur eine einstudierte Live-Performance? Sicher entwickelt jeder Sänger und Frontmann innerhalb einer über 25-jährigen Bandgeschichte eine gewisse Routine, aber echte, gelebte Leidenschaft für die Musik kann man meines Erachtens nicht vortäuschen.

Und so wirbelte Billie Joe Armstrong wie der lebendig gewordene Lexikon-Eintrag eines Frontmannes über die Bühne, das dünne Leibchen bereits nach einigen Songs durchgeschwitzt, die kajalumrandeten Augen immer noch strahlend vor Gier nach Punkrock.

Dass das  trotz des kommerziellen Erfolges noch so ist, hat meines Erachtens mit der Bandgeschichte zu tun, der natürlichen Entwicklung als Band, dem Spielen vor kleinerem Publikum und irgendwie auch mit der für mich immer noch authentisch gelebten Liebe zum Punkrock – Auch wenn mir hier Einige widersprechen werden, weil Punkrock und Kommerz sich ja vermeintlich ausschließen. Wenn „Boulevard of broken dreams“ oder das zugegeben etwas seichte „Wake me up when september ends“ bei Antenne und Co. läuft, dann kann man sich dazu keine Moshpits vorstellen. Aber für mich und mein Verständnis – rein musikalisch gesehen, denn mehr bewerte ich nicht – sind Green Day Punkrock und zwar in seiner besten Form.

Und so haben mir auch die teilweise pathetischen Ansprachen und der Appell an die kollektive Liebe und an das Leben im Jetzt gefallen. Dass das nicht nur leere Floskeln sind, hat Billie Joe auch gleich bewiesen, in dem er mehrere Leute auf die Bühne holte und so gerade den Kontakt zu den Fans suchte, den viele große Stars ja irgendwann verlieren. Das emotionale Highlight: Ein Junge wird auf die Bühne geholt, darf die Riffs zu einem Song spielen und bekommt danach einfach mal so Armstrongs Gitarre geschenkt! Ja, sicher kein großes Ding für den Musiker mit einer „Endorsement-Flatrate“, aber für den Jungen, der gerade Gitarre lernt, wird der Abend wahrscheinlich für immer unvergesslich bleiben und ihn vielleicht ermutigen, den Traum vom Berufsmusiker zu verfolgen. Gerade in der heutigen, manchmal  schweren Zeit, in der Menschen von beschissenen, feigen Terroristen aus dem Leben gerissen werden, wenn sie einfach nur Spaß haben wollen, nehme ich Konzerte noch intensiver war.

Zum Schluss sah ich ein junges Pärchen mit Dreadlocks, die sich trunken vor Freude in die Arme fielen und ein Mädchen, das ihrer Freundin die Brille hochhielt, um deren Freudentränen abzuwischen und ich denke Armstrong hatte Recht als er sagte: „Maybe it sounds naive, but I think rockmusic can save the world„.

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