Fifty Shades of Grey 2: Zwischen Haute Couture-Softporno und Rosamunde Pilcher

Samstag, Februar 11, 2017 0 12

Es ist soweit: Der zweite Teil von „Fifty Shades of Grey“ ist in den Kinos angelaufen und nachdem meine Freundin und ich uns bereits beim ersten Teil königlich amüsiert hatten, haben wir uns eben auch „Fifty Shades Darker“ angetan. Der Titel verspricht ja einen düsteren Touch, gestützt von dem Untertitel „Gefährliche Liebe“. Die Neugierde war also geweckt. Nachdem bereits der erste Teil mit Plattitüden, schlechten Wortwitzen, einer für mich unterirdischen Synchronisierung und lachhaften Dialogen die Erwartungshaltung sehr niedrig geschraubt hatte, sollte auch die Fortsetzung der BDSM-Blamage mit Jamie Dornan und Dakota Johnson diese erfüllen.

Fifty Shades of Grey Fifty shades darker © Universal Pictures

Wir haben den Film in der Tat „ironisch geschaut und nicht wie die anderen Frauengruppen, die durch Prosecco euphorisiert an diesem Abend in Scharen in das Kino stürmten, um „Mr.Grey“ und seinen achso stahlharten Body zu bewundern. Beim Verhalten des Publikums fing für mich das Fremdschämen schon mal an: Frauen um die 30 und älter, die lüstern auf die Leinwand stierten, betont lauthals lachten und wirklich jede Szene mit „Oh Gott“,„Geil“ oder „Isch der geil“ (ja, mit schwäbischem Dialekt besonders erotisch) kommentierten.

Auch ich mag schöne Männer, Kleider und Schuhe, aber muss man wirklich bei jedem Anblick eines dieser Dinge auf der Leinwand verzückte Ausrufe und Kreischer von sich geben als hätte man die im Film gepriesenen Liebeskugeln selbst gerade in Benutzung?

Leere Floskeln und schlechte Dialoge an der Schmerzgrenze

Zum „Inhalt“: Ich kann die Anführungszeichen hier gar nicht genug betonen. Bereits im Vorfeld haben meine Freundin und ich vereinbart, dass wir ja Nachos holen können, wenn wieder eine langweilige Szene kommt – denn diese gab es bereits im ersten Teil zur Genüge. Ich sag mal so der Code „Wer holt Nachos?“ wurde mehr als ein Mal ausgesprochen.

Nicht nur, dass die kaum vorhandenen Dialoge mit der Emotionalität eines valiumbetankten R2D2 gesprochen wurden (Stichwort Synchronisierung), auch der Inhalt der Wortwechsel zwischen „Miss Steele“ und „Mr.Grey“ war erneuter Anlass, die Hände vors Gesicht zu schlagen. Da fielen verbale Perlen wie: Er: „Hast du Hunger?“, Sie: „Ja, Heißhunger“ oder: Sie: „Sie starren uns alle an“, Er: „Sie starren dich an“.

Fifty Shades of Grey 2 ist wie ein schlechter Porno, der einfach nicht in die Gänge kommen will. Mit dem Unterschied, dass die Darsteller Haute Couture tragen und vor den spannenden Szenen geschnitten wurde.

 

Sicher, die Darsteller sind sexy (Dakota Johnson für mich übrigens mehr als Jamie Dornan) und haben auch eine Chemie auf der Leinwand, aber irgendwann reichen La Perla Unterwäsche und der stahlharte Sixpack eben nicht mehr – vor allem wenn ich bei Jamie Dornan immer auf seine zusammengekniffene Babyschnute schauen muss, die Dinge sagt wie „Ich würde dir jetzt gerne den Hintern versohlen“.


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So habe ich den Film dann eher auch unter pragmatischen Gesichtspunkten geschaut. Zum Beispiel zeichnet der von einem Kindheitstrauma gestörte Mr. Grey auf seinen Alabaster-Körper mit einem Lippenstift „seine Grenzen“ ein, die Miss Steel nicht überschreiten darf.

Danach geht es zu einem vornehmen Maskenball, auf dem eine in den Assitoaster gefallene Rita Ora ihren kurzen Auftritt hat. Anastasia hat zuvor von Mr. Grey noch effektvoll Liebeskugeln verpasst bekommen.

Die übertrieben naiv gezeichnete Hauptsarstellerin fragt dann ganz blauäugig: „Was macht man damit? Du willst mir die doch nicht in den Hintern stecken?“ Wohlgemerkt dieselbe Frau, die im ersten Teil ausgiebig über BDSM recherchiert und sich in eine Lustsklavin verwandelt hatte. Auf dem Ball selbst bekommt sie dann nur vom Hinsetzen schon einen halben Orgasmus – Doch, das macht Sinn und ist sehr realstisch! Am Abend, als der Businessman sich dann effektvoll auszieht (wichtig ist den Oberkörper dabei schön nach vorne zu strecken), rankt sich der vor Stunden aufgetragene Lippenstift immer noch völlig unbeschadet über die Muskel-Schluchten und ich dachte nur „Gute Haltbarkeit!“.

Aus der GQ entsprungen: Der neue König am Klischee-Himmel

Am meisten haben mich die Klischees gestört, die dem Film für meinen Geschmack jede Menge Sexappeal geraubt haben weil ich immer dachte: Ja klar, so sieht die Realität aus! Mir ist bewusst, dass Filme ja gerade dazu da sind, einen aus der Realität zu entführen, aber dieses vor Klischee triefende Bild von einem Milliardär wirkt einfach lachhaft. Penthouse in Seattle? Check? Wohnung in New York? Natürlich! Wir müssen vor einem Stalker fliehen, der die Sportwagen beschmiert hat? Lass uns doch die Yacht nehmen wenn der Heli grade nicht in Frage kommt!

Und die eigentlich selbstbewusste und selbstbestimmte Ana Steele wird eben doch immer mehr zur Gespielin des Mr. Grey, auch wenn dieser sich dramatisch wandelt, ihr sogar einen Heiratsantrag macht – im Rosenmeer mit Mega-Diamant! Und ich spüre wie mir die Kotzbrocken hochsteigen.

Nicht weil ich keine Romantikerin bin und das nicht schön sein könnte – aber es ist einfach immer too much! Vom soziopathischen Einzelgänger, der sein Spielzimmer liebt und gerne Frauen dominiert wird Christian Grey zum sesshaften, perfekten Verlobten. Der Höhepunkt: Am Ende wirft der ansonsten dominante Mr. Grey sich dramatisch auf die Knie und bettelt seine „Sub“ an, ihn nicht zu verlassen. Er „gehöre jetzt ganz ihr!“ Wieder musste ich vor Fremdscham lachen.

 

Streckenweise habe ich den Film sogar als Beleidigung an die moderne, emanzipierte Frau empfunden. Ich meine: Spätestens wenn dein Typ den Verlag kauft, in dem du arbeitest weil er will, dass du ihm gehörst, solltest du doch die Beine in die Hand nehmen –  Sixpackbeladener Milliardär und Apple-Produkte Flatrate hin oder her!

Shades of Grey 2 ist übrigens ab 16 Jahren freigegeben. Nicht auszumalen wenn Mädels in dem Alter den Eindruck bekommen, dass eine Beziehung wirklich so aussehen könnte und es sogar noch anstreben!

Mein Fazit von Fifty Shades of Grey 2: Fifty Shades Darker: Als ironischer Kinobesuch war es wieder sehr unterhaltsam, streckenweise sogar besser als der erste Teil. Aber die ganze überladene Bildsprache mit Luxus-Artikeln, High Heels, Strapsen und Hochglanzvillen wirkte für mich oft wie ein einziges Product-Placement. Wie eine Beate Uhse-Werbung, die mit einem Rosamunde Pilcher Film gekreuzt und auf hochkarätig getrimmt wurde. Garniert mit den flachen Dialogen definitiv ein Film, der mich nicht gefesselt hat (Schlechtes Wortspiel beabsichtigt). Ich bin gespannt, ob der dritte Teil das noch unterbieten kann. Hauptsache, das Kino hat genug Nachos vorrätig!

Bilder: © Universal Pictures

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