„In da Club“ – Eine Mikro-Sozialstudie

Sonntag, September 20, 2015 0 9

Anlässlich des Jungesellinnenabschiedes meiner Freundin war ich neulich seit Langem mal wieder zum Tanzen in einem Club. Wir waren eine Gruppe aus neun Mädels und hatten schon den ganzen Tag zusammen Spaß gehabt – zum Abschluss nochmal das Tanzbein schwingen war da genau das Richtige!

Als ich so in das wummernde Mekka aus Beats und Blitzlichtern eintrat, fühlte ich mich direkt an meine Schul- und Studentenzeit erinnert. Ich habe jetzt auch früher nicht zu den Mega-Partymäusen gehört, aber als berufstätige 29-Jährige sind die durchfeierten Nächte dann doch eher dem Gammeln auf der Couch und ja, tatsächlich der Regeneration von der Arbeitswoche gewichen. 

Doch als ich mich an diesem Samstagabend mal wieder in die „Club-Szene“ stürzte, fiel mir auf, dass sich in den letzten zehn Jahren kaum etwas verändert hat. Das liegt vor allem an einer Art wiederkehrendem Schema der Disco-Population – zu der wir selbst natürlich auch alle irgendwie gehören.

Es gibt in diesem Club-Universum meines Erachtens besonders auffällige „Stereotypen“, die einem immer wieder ins Auge fallen. Hier meine persönliche, selbstverständlich überspitzte Auflistung  – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

 

Der Türsteher

Schwarze Kleidung, das Hemd in die Hose gesteckt und ein schwarzer Gürtel mit großer Schließe gehören meistens zu seiner inoffiziellen Uniform. Kurzer Raspelhaarschnitt, auffällig oft ein Ohrring und eine markienartige Zahnreihe, die bedrohlich in der Nacht blitzt. Die Arme vor der breiten Brust verschränkt, auf dem Unterarm thront ein tätowierter Schnörkel-Schriftzug der Perle. Meistens umgibt ihn ein ein leicht übertriebener Nebel des Diesel- oder Boss Parfums. Beim Kaugummikauen im Staccato-Rhythmus wird erst gar nicht versucht, den Mund geschlossen zu halten. Ein kurzer Scanner-Blick á la Terminator genügt, um über die Würdigkeit des potentiellen Disco-Besuchers zu entscheiden.

Lieblingsgetränk: Red Bull


Der Barkeeper

Er ist für viele der coolste Typ im Raum (zumindest wenn er etwas kann) und das weiß er auch. Obwohl er mit den Gästen seinen Lebensunterhalt verdient, dreht er das Machtgefüge einfach um. Wie? Weil er HINTER der Bar steht und wir DAVOR. Das heißt, während unsere nach Alkohol lechzende Zunge am Gaumen klebt, sieht er sich als fleischgewordene Version des Films „Cocktail“. Wenn er bereit ist, unsere Bestellung aufzunehmen, macht er dies durch ein kurzes, ruckartiges Nicken erkennbar. Während er sich zu einem rüber beugt, um endlich die Bestellung aufzunehmen, balanciert er mit der rechten Hand bereits die Flasche für einen anderen Durstigen. Auch seine Arbeitskleidung ist meistens der Allover Schwarz Look – ergänzt durch einen Hauch an Arroganz grenzender Selbstsicherheit.

Lieblingsgetränk: Alles, was er mixt


Der Möchtegern-Star

Eines ist sicher, wenn es in einem Club ein Podest, eine Erhöhung oder auch einfach nur eine Bierkiste gibt, irgendwann wird eine Frau draufstehen und sich tanzenderweise dem Publikum präsentieren. Wenn es dann auch noch eine Stange gibt, kann sie ihre ganzen „Showgirls“-Fantasien ausleben. Meistens reißt sie irgendwann theatralisch die Arme auseinander und in die Höhe, um das Publikum zu animieren. Denn genau das ist die Menschenmasse jetzt: Ein Publikum, keine schnöden Clubgäste, zu denen sie selbst noch vor ein paar Takten gehört hat. Alles was es für den Aufstieg in die Star-Illusion gebraucht hat, war ein kleine Erhöhung im Club-Gelände.

Lieblingsgetränk: Sex on the Beach


Die stillen Beobachter

Sie sitzen meistens den ganzen Abend am Tisch und tun nicht als die anderen Gäste zu beobachten. Meistens reden sie noch nicht einmal miteinander, weil sie einfach zu cool für diese Welt sind – zumindest denken Sie das. In Wirklichkeit ist meistens das Gegenteil der Fall. Sie trinken oft Cuba Libre oder Gin Tonic (es gibt nicht viel Auswahl in Sachen männlicher Mixgetränke) und beobachten das Treiben. Meistens gewinnen dabei vor allem die Hintern der weiblichen Besucher ihre Aufmerksamkeit. Für sie gehört ist das Beobachten vom sicheren Stützpunkt eben das Wichtigste an der Jagd. Deshalb kehren Sie meistens auch ohne „Beute“ zurück.

Lieblingsgetränk: Gin Tonic


Der Ladykiller

Er kann tanzen und zwar verdammt gut. Meistens weiß er das auch und deswegen kann er auch den ganzen Abend von Frau zu Frau tanzen, sie auffordern ohne Ärger zu bekommen. Denn jede Frau weiß: Im Club einen Mann zu finden, der gut tanzen kann, ist wie ein Jackpot. Im Gegensatz zu dem nervigen Tänzer weiß er, dass übertriebene Körpernähe und kopulierene Gesten nicht zum Arsenal eines guten Tänzers gehören. Stattdessen kann er führen und zwar so, dass sich jeder Frau vorkommen kann wie bei Let’s dance.

Lieblingsgetränk: Barcardi


Die verrückten Hühner

Eine Gruppe Mädels oder Frauen, die einfach nur Parteeeeeeeeeeey machen wollen und dies durch Tanz und typische Gebärden der Popkultur deutliche machen. In „How I Met Your Mother“ hießen sie ganz treffend die „Woo!“-Girls, weil das ihr bevorzugter Laut ist. Dieser wird vor allem gern synchron ausgerufen, wenn  das Lieblingslied kommt. Sie betreten und verlassen die Tanzfläche gemeinsam, es ist wie bei einer Herde – niemand wird zurückgelassen. Ihr oberstes und einziges Ziel ist: Spaß und dazu brauchen sie keine männliche Unterstützung (außer natürlich von dem Ladykiller).

Lieblingsgetränk: Shots und Cocktails 


Der nervige Tänzer

Im Gegensatz zu den stillen Beobachtern, setzt er auf die Angriffstechnik. Jede Frau, die sich in seiner Nähe befindet, ist ein potentielles Opfer. Rein „zufällig“ nähert er sich mit seinen unrhyhtmischen, ungelenken Bewegungen immer mehr. Meistens spürt man als Frau seine Nähe dann irgendwann im Rücken und muss sich mit einer Piourette wieder freitanzen. Taktgefühl kennt er meistens nicht und zwar in keiner der Bedeutungen des Wortes. Erst wenn sich das Objekt der Begierde zum Beispiel zur seiner Herde geflüchtet hat, kann es entkommen.

Lieblingsgetränk: Wodka Red Bull

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