Es sind doch nur Haare! Wie ein Friseurbesuch mich trotzdem zum Weinen brachte.

Dienstag, Juli 7, 2015 0 2

Wir kennen Sie alle, die Episoden bei Germany’s next Topmodel, in denen die Kandidatinnen umgestylt werden und beim Friseur angesichts ihrer gestutzten Mähne in Tränen ausbrechen. Übertrieben und oberflächlich! Heißt es dann schnell und schließlich sind es ja „nur“ Haare. Dass unsere Haarpracht gerade für uns Frauen aber sehr wichtig ist, vergisst man da in seiner Sofapsychologie vor dem Fernseher schnell. Und so musste auch ich mich vor kurzem dabei ertappen, wie ich nach einem wohl gemerkt freiwilligen Friseurbesuch in Tränen ausbrach! Ich, eine 29-Jährige Frau kein kleines Mädchen, der man die Zöpfe abgeschnitten hat. Die fehlenden Zentimeter Haarpracht waren auch gar nicht das Problem, lange hatte ich geplant, meine inzwischen hüftlange Mähne etwa um die Hälfte zu kürzen – zu kaputt, zu aufwendig in der Pflege. Das Kämmen kam manchmal einer teilweisen Skalpierung gleich, der Boden gepflastert von Haaren. Mein rausgewachsenes und rausgewaschenes Ombre mit Rot wollte ich gegen ein trendiges Bronde tauschen, mit ein paar Highlights in Dunkelblond und Karamell. Zwei Jahre waren vergangen, seitdem ich das letzte Mal einem Friseur vertraut hatte und lange hatte ich den Besuch geplant, recherchiert und gespart. Die Mischung aus Blond und Brünett – ideal für mich, die sich nie wirklich entscheiden kann. Perfekte Bilder von mir und meiner neuen Sommermähne im nahenden Südfrankreich-Urlaub waren seit Wochen in meinem naiven Hirn implantiert – mein Instagram-Feed wird heißlaufen, so toll werde ich aussehen.

Beim wohlgemerkt hochpreisigen Friseur wich ich dann aus irgendeinem Grund wieder auf Ombre aus, es sollte ein Stufenschnitt gemacht und ein besserer Übergang gefärbt werden. Die Frage des Top Stylisten „Vertraust du mir bei der Farbe“ bejahte ich – Ein folgenschwerer Fehler, der mich direkt in die Vorher-Nachher Hölle bringen sollte. Nach über zwei Stunden schneiden und Färben und dem ekstatischen Kommentar des Friseurs „Wow, die Farbe ist super geworden“! der kritische Blick in den Spiegel: Für mich sah die Farbe identisch aus und auch von dem Stufenschnitt konnte ich nicht viel sehen. Ich wartete das Endergebnis ab, top gestylt gefiel es mir dann natürlich. Doch draußen, im Regen und der Realität angekommen und zu Hause im harten Badlicht, wurde mir klar: Das war ein Reinfall und noch dazu einer, der mich 180 € gekostet hat. Die Tränen flossen und ich war wütend, auf den Friseur, aber noch mehr auf mich. Weil ich nicht bei dem geblieben bin, was ich wollte und nicht gleich etwas gesagt habe. Die Wut verflog nicht und ja, ich hätte reklamieren können. Aber ich hatte schlicht kein Vertrauen mehr, um mich noch einmal dort in „Behandlung“ zu geben. Meine allgemeine Angst, meine Frau zu stehen, stand mir mal wieder im Weg! Demnächst steht jetzt ein Termin bei einem Konkurrenten an. Dort werde ich zumindest eins meiner zig Wunschfrisurenbilder zeigen, die ich ja über ein Jahr gesammelt habe. Was ich daraus gelernt habe: Wenn man zwei Jahre etwas entgegenfiebert ist die Erwartungshaltung per se zu groß für die Realität und wer weiß was er möchte, muss dies auch klar kommunizieren wollen. Wenn etwas nicht klappt, muss man auch den Mut haben, eine Dienstleistung zu reklamieren, das ist ein gutes Recht. Nochmal passiert mir das nicht mehr. Ich hoffe, es klappt dann doch noch, das Haartrauma zu überwinden. Bericht der Rettungsaktion folgt.

PS: Aus Respekt gegenüber dem Friseur und weil ich Mitschuld trug, werde ich ihn nicht namentlich nennen.

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